Mythos Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinenoptimierung wird auf vielen Webseiten als entscheidendes Erfolgsrezept im Internet angepriesen. Es wird mit Studien argumentiert, nach denen 80 Prozent der Internetuser Suchmaschinen als Orientierung im Netz verwenden und dass lediglich die ersten drei Seiten der Suchergebnisse angesehen werden, wobei die Prozentzahl mit jeder weiteren Ergebnisseite erheblich sinkt. Man muss also vorne mit dabei sein, um kaufwillige und interessierte User zu bekommen.

Doch welche Suchmaschinen sind überhaupt relevant? Für wen lohnt sich eine professionelle Suchmaschinenoptimierung überhaupt? Und worauf sollte bei der Auswahl der SEO-Agentur geachtet werden?

Relevante Suchmaschinen

Es gibt allein im deutschsprachigen Raum über 100 Suchmaschinen. Der Markt scheint auf dem ersten Blick sehr undurchsichtig, obwohl sich in den vergangenen fünf Jahren durch diverse Übernahmen und Fusionen der Suchmaschinenmarkt ordentlich bereinigt hat. Wenn man nun wissen möchte, welche Suchmaschinen relevant sind, gibt es zwei einfache aber wirkungsvolle Methoden dies herauszufinden.

Entweder man schaut in die Statistiken von führenden Tracking-Tools wie NedStat oder eTracker oder man fragt einfach mal zehn Freunde und Bekannte, womit sie im Internet suchen. Das Ergebnis dürfte nahezu identisch sein: Rund 80 Prozent aller Suchenden nutzen Google Deutschland. Die anderen 20 Prozent teilen sich auf die Portale AOL und T-Online sowie die Google-Kontrahenten Yahoo! und MSN auf. Berücksichtigt man, dass sowohl AOL als auch T-Online auf ihren Portalen die Suchtechnik von Google integriert haben, verfügt der amerikanische Suchgigant über einen Marktanteil von 90 Prozent. Möglicherweise verschiebt sich dieser Anteil ab 2007 etwas zu Gunsten von MSN, da dann der neue Internet Explorer 7 mit integrierter MSN-Suche herauskommen soll. Jedoch dürften dies nur unwesentliche Verschiebungen sein. Ergo ist im deutschsprachigen Raum vor allem Google relevant. Wenn also von Suchmaschinenoptimierung gesprochen wird, ist nahezu immer Suchmaschinenoptimierung für Google gemeint.

Suchmaschinenoptimierung für jedermann?

Doch für wen lohnt sich eine professionelle Suchmaschinenoptimierung überhaupt? Eigentlich für jeden, der gezielt viele Besucher auf seine Website führen möchte. Jedoch gibt es Unterschiede, wo sich die nicht unerheblichen Kosten der Suchmaschinenoptimierung auch rechnen lassen, sprich ein gewisser return on investment (ROI) gegeben ist. Zum einen lassen sich Differenzierungen nach der Zielgruppe aufzeigen. Themen, die insbesondere das "gemeine Volk" interessieren, generieren tendenziell mehr Suchanfragen als Business-Themen aus dem B2B-Bereich. Dies lässt sich beispielsweise an den Top10 der Suchbegriffe von Google und Yahoo erkennen, die regelmäßig mit "Tokio Hotel", "Wetter" oder "Sudoku" gefüllt sind. (Siehe: Google Zeitgeist).

Ein weiteres Indiz sind direkte Keyword-Abfragen zu Begriffen wie Kredit und Handy auf der einen Seite oder Management und Personalberatung auf der anderen Seite. Die Anzahl der Suchabfragen aus dem B2C-Bereich sind wesentlich höher als die speziellen B2B-Themen. Folglich ist das Such- und Besuchervolumen bei einer gut platzierten Fan-Page zu Tokio Hotel wesentlich größer als eine Info-Seite zu Management-Themen.

Doch nicht nur die Zielgruppe spielt eine Rolle bei der Frage, ob sich der Aufwand von SEO-Maßnahmen lohnt. Auch die Funktionalität und Zielrichtung der Website sind entscheidend. Ein reines E-Commerce-Projekt, das online Produkte oder Dienstleistungen vermarktet, ist auf gute Platzierungen in den Suchmaschinen angewiesen. Dazu zählen insbesondere Online-Shops, Auftragsbörsen, Marktplätze sowie Auto- und Stellenbörsen. In diesen Fällen sollte das SEO-Know-How unbedingt inhouse aufgebaut werden - entweder durch Seminare und Workshops oder autodidaktisch. Denn eine kontinuierliche Betreuung durch einen kommerziellen SEO-Berater dürfte auf Dauer kostspielig werden.

Auch Foren oder Communities sollten SEO als integrativen Bestandteil ihres Online-Marketings begreifen. Leben sie doch schließlich von der Aktivität und den Beiträgen ihrer Mitglieder.

Aber auch renommierte Nachrichten-Sites berücksichtigen SEO-Aspekte immer mehr. So werden beispielsweise Überschriften, die bislang unter journalistischen Aspekten getextet wurden, immer mehr mit relevanten Suchbegriffen garniert, um mehr Leser durch Suchmaschinen abzugreifen. Schließlich finanzieren sich diese Online-Medien auch durch Werbung, die natürlich teurer vermarktet werden kann, wenn die Page Impressions und Besucherzahlen ansteigen.

Ob sich Suchmaschinenoptimierung auch für normale Webseiten von Unternehmen - insbesondere einfachen Handwerksbetrieben sowie Firmen aus dem B2B-Bereich lohnt, muss im Einzelfall ermittelt werden. Denn hier ist die potentielle Zielgruppe und deren Suchverhalten differenzierter. So kommen beispielsweise beim Einkauf für bestimmte Rohre oder Stoffe oft nur eine Handvoll Unternehmen in Betracht. Ist der Zuliefermarkt also derartig begrenzt, sind sicherlich andere Marketingmaßnahmen, wie Mailings, Messen etc. effektiver und kostengünstiger. Auch sind hier spezielle Business-Portale, wie beispielsweise die B2B Suchmaschine Linx zielführender als reine Volltextsuchmaschinen, wie es nun mal Google und Co. sind.

Auswahl der SEO-Maßnahmen und SEO-Berater

Gelangt man zu der Auffassung, dass Suchmaschinenoptimierung ein effektives Instrument im Marketing-Mix sein kann, stellt sich die Frage für welche Maßnahme und welchen SEO man sich entscheidet. Die Suchmaschine Google hat dafür bereits einige Tipps veröffentlicht. Doch für eine gute Wahl bedarf es weiterer Fragen, die den Weg durch den Anbieterdschungel von über 200 Beratern und Agenturen allein in Deutschland beleuchten.

Seien Sie vorsichtig bei Beratern, die sofort einen ganzen Maßnahmenkatalog aus dem Ärmel ziehen, ohne sich vorher mit Ihnen oder Ihrer Website auch nur 15 Minuten beschäftigt zu haben. Ein guter Berater stellt erst einmal Fragen und analysiert die Ist-Situation. Ziele und Maßnahmen werden wie bei jeder Unternehmensberatung im nachhinein definiert.

Des weiteren gibt es verschiedene Leistungspakete und Abrechnungsmodelle im SEO-Bereich.

Erstens Sie kaufen das Know-How des externen Beraters an einem oder mehreren Tagen ein und setzen die erforderlichen Maßnahmen selbst um. Diese Inhouse-Workshops erlauben ein individuelles Arbeiten an Ihrer Website und sorgen für ein guten Wissenstransfer. Insbesondere für den Bereich der Onpage-Optimierung lassen so zahlreiche Fehler vermeiden und versteckte Potentiale nutzen. Jedoch ist hierbei der Offpage-Bereich - insbesondere der Linkaufbau - nur bedingt abgedeckt, so dass es hierfür zusätzlicher Anstrengungen oder Investitionen bedarf.

Die zweite Möglichkeit ist der Besuch eines SEO-Seminars. Nahezu alle führenden Suchmaschinenoptimierer bieten offene Seminare für Webdesigner, Agenturen und Firmen an. Das Niveau variiert dabei von kostenlosen Seminaren für Anfänger bis hin zu exklusiven Seminaren für Fortgeschrittene. Die Schulungen sind in erster Linie sehr gut geeignet, einen Überblick über verschiedene Aspekte von Suchmaschinenoptimierung zu gewinnen. SEO ist nämlich gespickt mit vagen Vermutungen und Halbwissen, so dass im Internet sehr widersprüchliche Tipps und Hinweise frei zugänglich sind. Diese Informationen zu selektieren und zu bewerten, erspart man sich in der Regel durch ein gutes SEO-Seminar. Der Hauptnachteil eines offenes Seminars kann sein, dass die individuelle Komponente fehlt und keine konkreten Tipps zur Optimierung der eigenen Website geliefert werden.

Der dritte Weg an die Spitze der Suchergebnisse ist die externe Lösung über einen SEO oder eine SEO-Agentur. Damit überlässt man dem externen Dienstleister die komplette Analyse, die Konzeption der Optimierung sowie die Durchführung der Maßnahmen. Dazu gehören beispielsweise Veränderungen am Quelltext der Seiten, gewisse Strukturänderungen (Interne Verlinkung, Navigation, etc.) sowie der Linkaufbau.

Auch hier existieren unterschiedliche Abrechnungsmodelle. Einige SEOs verlangen für standardisierte Leistungspakete, wie beispielsweise Linkaufbau oder Eintragung in 70 Webkataloge, pauschalierte Preise, ohne dass irgendeine Erfolgsgarantie abgegeben wird. Andere Agenturen lassen sich für den Erfolg bezahlen und erwarten monatliche Pauschalen für Top 10 und Top 1 Platzierungen für bestimmte Suchbegriffe. Diese Abrechnungsvariante birgt jedoch die Gefahr, dass Sie für weniger umkämpfte und kaum gesuchte Suchbegriffe eine monatliche Pauschale von 20 - 100 Euro zahlen, ohne dass dafür kaum Besucher auf Ihre Website kommen. Und das für jede Suchphrase, die der SEO in die TOP 10 optimiert hat. Monatlich 30 Euro für eine TOP 10 Platzierung bei "Pizzeria Berlin Charlottenburg" zu zahlen, ist einfach zu viel - wenn nicht sogar Abzocke.

Zudem sollten Sie darauf achten, von welcher Suchmaschine die Rede ist. Eine TOP-10-Platzierung bei Yahoo!, MSN oder einer anderen Suchmaschine bringt Ihnen kaum Besucher, da der Suchmaschinenanteil im deutschsprachigen Raum viel zu gering ist. Daher sollten bei den erfolgsbasierten Modellen lediglich Google-Ergebnisse berücksichtigt werden. Alles andere ist derzeit rausgeschmissenes Geld.

Prinzipiell gilt, stellen Sie Fragen, Fragen und nochmals Fragen. Betrachten Sie den SEO-Experten kritisch und eher als Verkäufer einer Dienstleistung anstatt als unabhängigen Berater, der das Beste für Ihr Unternehmen möchte. Wenn ein SEO Ihnen bei der Keywordanalyse nicht auch das ungefähre Suchvolumen nennen kann - also letztlich potentielle Besucherzahlen zu diesem Key bei Top 10 Platzierungen - beenden Sie das Gespräch und suchen sich einen richtigen Fachmann.